Blog der Familie Motzet

Seifenoper aus Weißenburg

Werner Motzet  März 3 2012 02:16:32 PM
Gestern hatten wir ja berichtet von der Marktplatzgestaltung - juristische Rolle rückwärts - Ohne Worte...
Heute nun schreibt Rainer Heubeck die Glosse dazu im Weißenburger Tagblatt:

Eine Seifenoper in Weißenburg


Fernsehformate wie das Dschungelcamp, Bauer sucht Frau oder die Vorrunden von Deutschland sucht den Superstar erzielen immense Einschaltquoten. Kein Wunder, dass die TV-Sender dauernd auf der Suche nach neuen Ideen sind, um das bisherige Niveau noch zu toppen - in welche Richtung ist allerdings nicht immer ganz klar.
Nach der jüngsten Sitzung des Weißenburger Hauptausschusses wäre auch eine Kummunal-Seifenoper denkbar. "Schilda macht Schule" oder so. Folge eins wäre auch schon bekannt: "Die Suche nach dem abgelehnten Brunnen". Bei der Darsteller-Wahl wäre das Weißenburger Casting-Super-Unternehmen (CSU) ganz klar im Vorteil: Sie müssen nicht teuere Fremdkräfte einkaufen. Alles da für die perfekte Soap.
Gedreht wird natürlich mitten in Weißenburg, wo Bernhard Amend als perfekter Paragrafen-Vorturner auf dem Marktplatz mit einer Rolle rückwärts vor der versammelten Phalanx der Wutbürger flüchtet, die unbedingt einen Brunnen wollen. Das Wasserspiel-Abwehrbollwerk um den Gefährten Rüdiger Schork rudert über den Seeweiher zurück, um dann vor den Millionen-Ausgaben für die Mittelschule wieder kehrt zu machen. Andere Brunnengegener aus dem Casting-Unternehmen flüchten in Römer- zum Togen zum neuen scharzen Würfel der Therme, um dort die Besucher in lebensechter 3-D-Qualität zu unterhalten, was die hohen Ausgaben für die neue Medientechnik spart.
Damit die TV-Aufnahmen nicht zu einem der schwärzesten Kapitel der Stadtgeschichte werden, dürfen auch die andersfarbigen Stadtratsfraktionen kleine Statistenrollen in der Seifenoper übernehmen. Alt-68er Heinz Gruber fordert, den Brunnen weiter links zu platzieren, was laut Regieanweisung Lothar Schönwäder nicht passen darf - er will einen liberal-verschiebbaren Brunnen. Manfred Reithinger wird zur Sprotakrobatik verdonnert, um die ungewolte Rückwärtsrolle fehlerfrei hinzubekommen. Und die SPD? Die ist in China, um doppelt-rotes Plaster heranzukarren.
Sollte einer derartigen Soap einers auf Quote bedachten Privatsenders zu skuril anmuten, könnte man ja mal öffentlich-rechtlich beim Bayerischen Rundfunk insistieren und als Alternative zum abgelehnten Franken-Tatort eine Franken-Soap anbieten. Der Titel könnte statt dem oberbayerischen "Dahoam is Dahoam" dann "Dergegn is' derfier" heißen. Und das Castin-Super-Unternehmen wäre schon wieder dick im Geschäft.
RAINER HEUBECK



Ganz vielen Dank an Hr. Heubeck für die geniale Glosse wir haben hier Tränen gelacht am Frühstückstisch. Die Glosse hat uns an den Beitrag "Die Dame in Lila Lachs" von Harald Baumer vom August 2011 erinnert.

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